Tagebuch aus dem Home Office: Woche 3 – Lagerkoller

Tagebuch aus dem Home Office: Woche 3 – Lagerkoller

Drei Wochen Corona-Home-Office und drei Wochen, in denen man außer der eigenen vier Wände noch den Supermarkt von innen gesehen hat. Unsere Autorin hatte bereits ihren ersten Lagerkoller und fragt sich, wie man sie das nächste Mal besser damit umgehen kann.

So sehr ich die Vorteile des Home Office auch schätze, desto mehr wird mir die Ausgangsbeschränkung und die damit einhergehende Isolation in den eigenen vier Wänden klar.

Ich denke an die self-employed Girlbosses, die trotz allem top-gestylt mit ihrem Apple-Macbook auf dem Bett sitzen und Kaffee-schlürfend ihrer „Daily Work Routine“ nachgehen. Anscheinend mache ich etwas entschieden falsch. Ich, ebenfalls auf dem Bett sitzend, mit fleckiger und ausgeleierter Jogginghose, verrutschter Brille und einem egal-wie-hauptsache-alle-Haare-sind-aus-dem-Gesicht-Dutt auf dem Kopf. Die Webcam zum Daily Standup-Meeting lasse ich lieber aus.

Die freiwillige Verwahrlosung hat sich ein paar Tage wie ein luxuriöses Bonus-Kapitel im Leben angefühlt. Ein kleiner Urlaub von den gesellschaftlichen Anforderungen, ein Hauch von Freiheit und Anarchie.

Unter #virtuellmittag teilen meine Kolleg*innen zur Mittagszeit ihre Erfahrungen und Tipps aus dem Home Office. Folgen Sie uns auf Facebook!

Mama, wie lange noch?

Ich schaue apathisch aus dem Fenster. Ist das nicht der neue Nachbar da drüben? Was macht er bloß? Ach nee, ist nur mein verzweifeltes Gesicht, dass sich im Fenster spiegelt. So viel Zeit mit sich alleine, wirft auch existenzielle Fragen auf, für dich ich normalerweise zu beschäftigt bin, um sie mir zu stellen. Bin ich glücklich? Stehe ich in meinem Leben dort, wo ich gerne sein möchte? Erfüllt meine Arbeit einen Sinn?

Andere berechtigte Fragen schwirren mir durch den Kopf, während ich mit leerem Blick auf meinen Laptop starre: Welcher Wochentag ist heute überhaupt? Montag, Donnerstag? Oder Sonntag? Muss ich eigentlich heute arbeiten? Die Zeit ist ein Mysterium, Tage verschwimmen zu Stunden, die Minuten ziehen sich wie rosaroter Hubba-Bubba-Kaugummi.

Ich werde quengelig und würde am liebsten „Mama, wie lange noch?“ nach vorne ins Auto rufen, um gleich darauf einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen, wenn alles vorbei ist.

Bevor Sie vor lauter mieser Stimmung nur noch den Kopf in den Sand stecken oder – was noch suboptimaler wäre – den Laptop aus dem Fenster werfen wollen, lesen Sie lieber meine Tipps gegen den aufkommenden Lagerkoller. Das ist garantiert günstiger als ein neuer Computer.

Missmut kommt vor dem Fall

Doch so schön der Ausflug anfangs in den „Miniurlaub“ auch war, wurde ich schnell missmutig. Alles war doof und nervig und mir wurde klar, dass ich ganz schnell was ändern musste. Ich habe einiges ausprobiert, was mich wieder in ein gesellschaftlich konformes Leben zurückbringen könnte und möchte hier meine besten Tipps teilen.

Meine erste-Hilfe-Tipps gegen einen aufkommenden Lagerkoller:

  • Sich frisch machen:
    Auch wenn es schwer fällt den inneren Schmutzfink in Schach zu halten, gibt es keinen besseren Instant-Hack als eine frische Dusche und sich bürotauglich fertig zu machen. Es ist dabei zwar etwas Selbstdisziplin erforderlich, aber das Ergebnis lohnt sich allemal!
  • Den Arbeitsplatz wechseln:
    Immer nur an die gleiche Wand starren, würde bestimmt auch den besten Arbeitnehmer der Welt irgendwann in den Wahnsinn treiben. Schon ein kleiner Tapetenwechsel an den Esstisch, auf das Sofa oder den Balkon kann Wunder wirken.
  • Spazieren gehen:
    Es gibt nichts besseres als sich den Kopf vom Wind freipusten zu lassen. Wenn noch die Sonne scheint, tanken wir gleich automatisch das wichtige Vitamin D, das sich positiv auf unsere Stimmung auswirkt. Also gleich heute Nachmittag raus in die Natur (wenn möglich), Kopfhörer rein, Podcast an und das Spazierengehen genießen.
  • Den Medienkonsum reduzieren:
    Wir werden aktuell mehr denn je von schlechten Nachrichten bombardiert. Deswegen informiere ich mich gerade nur kurz am morgen in einer neutralen News-App über die Geschehnisse und meide zum großen Teil diverse Soziale Medien, die Panikmache betreiben. So bekomme ich das Wichtigste mit, kann mich aber den restlichen Tag auf schönere Dinge konzentrieren.
  • Seelen-Wellness betreiben:
    Wenn es mir schon schlecht geht, möchte ich mich nicht noch unnötig mit „guter Ernährung“ geiseln. Ich gönne mir dann ein Stück Schokolade – oder zwei oder mehrere. Urlaubsbilder anschauen und dabei in Erinnerungen schwelgen funktioniert genauso gut wie ein Buch lesen oder den Lieblingsfilm mal wieder anschauen. Erlaubt ist alles, was der Seele gut tut und positive Gefühle weckt!

Fortgeschrittenen Heimarbeitern in Isolation möchte ich noch diese Tipps an die Hand geben:

  • Miese Laune zulassen:
    Am besten das Stimmungstief einfach zulassen und annehmen. Es gibt solche Tage, an denen alles doof ist und nichts funktioniert. Das ist ganz normal und sich das einzugestehen, nimmt schon ganz viel Druck weg. Es wird wieder besser. Versprochen.
  • Gefühle von der Seele schreiben:
    Die Gedanken drehen sich im Kreis und der Kopf ist so voll, dass er fast platzt? Da fehlt eindeutig ein wenig Struktur. Schreiben Sie Ihre Gefühle auf. So richtig analog mit Stift auf Papier. Schreiben Sie einfach drauf los und ordnen Sie so Ihre Gedanken. Durch das Formulieren geben Sie ihren abstrakten Emotionen eine fassbarere Form. Unmittelbare Erleichterung garantiert!

    Bonus-Tipp: Der schwierigste Part ist oft das Anfangen. Haben Sie keine Angst vor der leeren Seite! Vielleicht scribbeln Sie erst einmal ein paar Blümchen oder Muster an den Rand, um einen Anfang zu finden. Wenn es Ihnen leichter fällt, formulieren Sie Ihre Gedanken als Tagebuch-Eintrag oder Brief an sich selbst.
  • Langeweile aushalten:
    Für viele Menschen ist es gerade traumatisierend, dass ihr Terminkalender nicht bis oben hin gefüllt ist. Verständlich, dass man dann nicht mehr weiß, wie man mit Langeweile umgehen soll. Aber wenn nicht jetzt, wann ist dann der geeignete Zeitpunkt, das wieder zu erlernen? Aus Langeweile entsteht meist ganz viel Kreativität. Nicht umsonst bezeichneten sie die Griechen als „Müßiggang“, was so viel wie „die Muße aufsuchen“ bedeutet. Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit, als aus der Langeweile die besten Drachentöter-und-Piraten-Spiele entstanden sind?

    Wie anfangen? Üben Sie sich im Nichtstun oder gehen Sie simplen Tätigkeiten nach, bei denen man nicht viel Nachdenken muss: z.B. Pflanzen umtopfen, Puzzeln, zeichnen, ein seichtes Buch lesen oder Backen.

Bleiben Sie bei all dem nachsichtig mit sich selbst und lernen Sie wieder auf Ihr Bauchgefühl zu hören. Tun Sie einfach, was Ihnen gerade gut tut und der Lagerkoller wird nur halb so schlimm.

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