Ist Digitalisierung Problemlöser oder nur Schmerztablette für das Bildungssystem?

Ist Digitalisierung Problemlöser oder nur Schmerztablette für das Bildungssystem?

Viele sprechen von der Digitalisierung der Schulen, doch wenige fragen, wie diese sinnvoll pädagogische Mehrwerte schaffen kann. Wir geben Ihnen einen Ausblick.

Digitalpakt. Virtual Classroom. Hybrider Unterricht. Nur drei von vielen Schlagworten, die seit Beginn der Pandemie im Fokus der Öffentlichkeit stehen, Kommentarspalten füllen und bei vielen Schülerinnen, Schülern, Lehrenden und Eltern Verunsicherung, Überforderung und auch Ablehnung hervorrufen. Leider verdeckt die Emotionalität in der öffentlichen Wahrnehmung den Blick darauf, das digitaler Unterricht keine Zauberei ist. Einen Haken hat er aber doch: Guter digitaler Unterricht braucht zwingend ein flächendeckendes Commitment, Schulunterricht endlich am aktuellen Forschungsstand auszurichten und mit der Historie, die unser Bildungssystem von innen heraus quält, endgültig zu brechen.

„Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess“. Thorsten Dirks Ausspruch ist inzwischen sechs Jahre alt, für viele Schulen beschreibt er aber den Status Quo und damit deren größtes Dilemma. Der potenzielle Nutzen digitaler Strukturen und Möglichkeiten für Schulen ist zwar hoch; Doch Digitalisierung ist kein alleiniger Problemlöser. Wenn veraltete Ansichten, Methoden und Strukturen digitalisiert werden, wenn kein Umdenken stattfindet und nur analoger Unterricht mehr schlecht als recht digital abgebildet wird, macht es sehr viel Arbeit und schafft wenig bis keinen Mehrwert.

Wie aber kann der potenzielle zu einem konkreten Nutzen werden? Wir geben Ihnen drei Impulse, wie es gelingen kann.

Kompetenzentwicklung statt Wissensvermittlung

Die Grundpfeiler der aktuellen Schullandschaft fußen immer noch auf einem historisch bedingten Lehrverständnis, das neben der Wissensvermittlung auf militärische und wirtschaftliche Verwendbarkeit ausgerichtet war. Doch die komplexe, vernetzte Arbeitswelt der Gegenwart verlangt nach der Fähigkeit, komplexe Probleme selbstständig, kreativ und innovativ lösen zu können. Die Kinder von heute sollten in der Schule die Kompetenzen erwerben können, die sie brauchen, um mit Technologien, die es noch nicht gibt Herausforderungen  zu lösen, die wir uns noch nicht einmal vorstellen können. Das lässt sich nicht durch zentral gesteuerten, Lehrendenzentrierten Unterricht erreichen, der im Gleichtakt vorgegebene Ergebnisse liefern soll.

Hybrides Lernen statt analoges Beschulen

Der positive Einfluss von sozialer Interaktion und Austausch auf Lernprozesse ist groß. Genau deshalb braucht es eine Verknüpfung digitaler Lernhelfer mit analogen Lernsituationen. Wissen liegt schon lange nicht mehr in den Schulen auf dem Tisch. Es findet sich in Wikis und Blogs, auf Lernplattformen, in Wissensdatenbanken und Videoformaten. Die Schule muss sich vor diesem Hintergrund von ihrem Bild als wissensvermittelnde Institution lösen und sich neu definieren: Als sozialer Treffpunkt, der Austausch und gemeinsame Reflexion ermöglicht, als vielseitige Lernumgebung und Experimentierfeld.

Individuelle Lernbegleitung statt Lehren im Gleichtakt

Aus Lernprozesse, die auf Kompetenzerwerb ausgelegt sind, ergeben sich Lernziele, die sich mit zentral gesteuerten Unterrichtsmodellen nicht erreichen lassen. Die Rolle der Lehrenden muss sich deshalb weiterentwickeln. Lernbegleitung bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, die individuelles, selbstgesteuertes Lernen ermöglichen. Dieser Wandel bedeutet nicht nur eine neue pädagogischen Grundhaltung als Coach, Berater, Mutmacher und Lernpartner. Er verlangt auch nach innovativen Arbeitsstrukturen, die ohne digitale Helfer kaum zu erreichen sind. Bildung digitalisieren darf nicht bedeuten, dass soziale Kontakte in Präsenz und analoge Lernformen für Austausch und Reflexion abgeschafft werden. Trotzdem sind zeitgemäße Lernangebote ohne Digitalisierung nicht denkbar. Schule sollte ein Ort sein, der im Wortsinn das Beste aus beiden Welten zu einem lernendenzentrierten, kompetenz- und handlungsorientierten Lernangebot verbindet. Wie die ersten, kleinen Schritte dorthin aussehen können, sehen Sie in unserer digitalen Deutschstunde.

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