(Nicht) aus der Rolle fallen: Eben noch Kollege – jetzt Chef

Die Firma ist die Gleiche, der Job ein anderer:  Wer innerhalb der gleichen Teams oder der gleichen Abteilung eine neue Position mit mehr Führungsverantwortung übernimmt, steht nicht nur inhaltlich und strategisch vor neuen Herausforderungen.  Ein solcher Rollenwechsel erfordert auch jede Menge Fingerspitzengefühl im Umgang mit den ehemals gleichgestellten Kollegen.

Damit der gemeinsame Neustart gelingt, sollte man folgende typische Stolpersteine umgehen:

  • „Wenn ich Chef bin, wird alles (sofort) anders.“
    Das Hereinwachsen in neue Rollen und Verantwortungsbereiche braucht Zeit und auch das Verhältnis zum eigenen neuen Vorgesetzten muss sich erst entwickeln. Gut möglich, dass da zunächst weniger Zeit und Aufmerksamkeit als gedacht für die Probleme bleiben, die man eigentlich zuerst angehen wollte und dass die Prioritäten vom Chefsessel aus plötzlich anders wahrgenommen werden. Umso besser ist es dann, wenn man Kollegen vorher keine Versprechungen auf „große Taten“ gemacht hat. Ein weiterer Nachteil von „Übermotivation“: Setzen Sie Veränderungen zu schnell um, besteht die Gefahr, über das Ziel hinaus zu schießen, indem Sie das Team zu wenig in den Entscheidungs- und Umsetzungsprozess involvieren und zu autoritär agieren. Damit verspielen Sie gleich zu Beginn leicht den Vertrauensvorschuss, den Sie als ehemaliger Kollege womöglich in höherem Maße genießen als eine extern hinzukommende Führungskraft.
  • „Ich bin verantwortlich, ich mach das schon.“
    Auch die demonstrative Übernahme schwieriger und ungeliebter Aufgaben ist kein günstiger Weg, um sich als neuer Vorgesetzter zu beweisen. Setzen Sie Ihre Zeit und Energie lieber dafür ein, das Team so zu führen und zu motivieren, dass es in der Lage ist, mit Ihnen gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Die persönliche Beziehung auf Augenhöhe, die Sie als ehemaliger Kollege zu Ihren Mitarbeitern hatten kann sich hier als Vorteil erweisen  – und Sie sollten sie weiter pflegen. Nichts spricht auch weiterhin gegen gelegentliche gemeinsame Mittags- oder Kaffeepausen mit Gesprächen zu privaten und beruflichen Themen. Die Herausforderung besteht auf beiden Seiten darin, die Balance zwischen gewachsenem Vertrauen und (neuer) Distanz zu finden, zum Beispiel durch die Auswahl unverfänglicher, weder beruflich noch privat allzu brisanter Themen.
  • „Für uns als Kollegen ändert sich nichts“
    Machen Sie sich nichts vor: Als Führungskraft verlieren Sie Ihre bisherige Gruppenzugehörigkeit in mehr oder weniger starkem Maße. Denn an der Spitze gehört nun einmal etwas Einsamkeit dazu. Obwohl größtmöglicher Austausch und eine offene Kommunikation wünschenswert sind, wird es Situationen und Themen geben, bei denen die Kollegen von nun an lieber unter sich sind – ebenso wie Sie als Führungskraft neue Vertraute auf gleicher Ebene finden werden.
    Auch aus Konflikten oder Intrigen unter Kollegen sollten Sie sich heraushalten, zu selbstständiger Lösung animieren und nur dann eingreifen, wenn dies wirklich notwendig ist.
    Haben ehemalige Kollegen sich selbst Hoffnungen auf die Stelle gemacht oder Schwierigkeiten damit, Sie als Vorgesetzten anzuerkennen, können Sie damit rechnen, dass Sie etwas mehr Engagement investieren müssen, um diese weiterhin „im Boot zu behalten“. Dies kann gelingen, indem Sie zum Beispiel neue und motivierende Herausforderungen für sie schaffen.
    Neu zu klären ist auch, ob weiterhin geduzt wird. Besonders vor der Geschäftsleitung und nach außen wirkt  das Sie zwischen Vorgesetzten und Kollegen unter Umständen professioneller.
  • Und wie geht man als Mitarbeiter damit um, dass der Kollege nun Chef ist?
    Um weiterhin gut zusammenzuarbeiten, ist es in erster Linie notwendig, die neue Hierarchie anzuerkennen. Können Sie darauf zählen, dass der neue Chef eventuelle Meinungsverschiedenheiten aber auch Gemeinsamkeiten aus Kollegenzeiten nicht missbraucht, um sich selbst bei den neuen Vorgesetzten ins bessere Licht zu rücken? Kommen diesbezüglich Zweifel auf oder gibt es weiteren Anlass zu Kritik, kann ein Gespräch unter vier Augen helfen – ganz wie in allen anderen beruflichen Konfliktsituationen auch.

Julia Schwägerl ist Projektmanagerin bei der upDATE Gesellschaft für Beratung und Training. Für den Unternehmensblog schreibt sie regelmäßig Artikel zu den Themen Vertrieb, Digitalisierung, Management, Persönlichkeitsentwicklung und Arbeitskultur.
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