Entwickeln, testen, optimieren: Wie aus Ideen Innovationen werden

Ob in Innovations-Workshops oder bei Führungskräfte-Trainings: Immer wieder stelle ich fest, dass es nicht an guten Ideen zur strategischen Unternehmensentwicklung und zur Verbesserung von Prozessen, z.B. im Zusammenhang mit der Digitalisierung mangelt. Die meisten Führungskräfte und Unternehmen machen sich Gedanken darüber, wie sie sich zukunftssicher und flexibel aufstellen können.  Oft bleiben gute Ideen aber auf der Strecke, weil sie hier und heute noch nicht so relevant oder unmittelbar sinnvoll erscheinen. Eigentlich müssten viele Themen, wie z.B. die Digitalisierung der Zusammenarbeit, trotzdem sofort angegangen werden. Schließlich gilt es, mit immer rasanteren Trends und Innovationszyklen im Markt- und Kundenumfeld Schritt zu halten. Früh aktiv zu werden, Entwicklungen zu antizipieren und Veränderungen nachhaltig umzusetzen, ist überlebenswichtig. Es braucht dafür einen langem Atem. Doch wie sieht der Alltag in vielen Unternehmen aus? Mit einem Wort: Schnappatmung!
Personalmangel, Kosten-, Zeit-, Wettbewerbs- und Leistungsdruck, steigende Kundenanforderungen und Kennzahlenfixierung schwingen den Taktstock. Das führt verständlicherweise dazu, dass der Blick von Mitarbeitern und Führungskräften oft nur bis zur nächsten Ecke reicht. Vielleicht denkt man an morgen, selten aber bis übermorgen. Es wird reagiert und die aktuell gute Auftragslage „abgearbeitet“. Fürs proaktive Gestalten bleibt keine Zeit. Dass alles blendend läuft, verblendet. Wer satt ist, kann sich kaum vorstellen, jemals wieder Hunger zu haben (und doch ist es irgendwann unweigerlich soweit!). Was sich heute bestens verkauft, kann morgen schon zum Ladenhüter werden.
Was ist zu tun? Wie bekommt man das hin, dass innovative Ideen den Weg in die Organisation finden, ehe es zu spät ist und die dürren Zeiten da sind? Wie legt man heute den Grundstein für echte, das Business voranbringende Innovation? Also solche, die nicht im luftleeren Raum hängen als nice to have, but not now, sondern die unmittelbar in Bezug stehen zu den wichtigsten pains und challenges, die bevorstehen? Hier einige Tipps – direkt aus unserer Praxis als kleines, innovatives Beratungs- und Trainingsunternehmen:

Innovation braucht Freiräume

Häufig hört man die entgeisterte Frage: Schön, aber wer soll „das“ machen, Ideen ersinnen und weiterspinnen? Alle Mitarbeiter sind komplett ausgelastet, stehen unter Termindruck, werden vielleicht nach Provision oder Zielerreichung bezahlt. Zeit und Begeisterung für strategische und Führungsthemen entstehen nicht von selbst, sie müssen festgeschrieben und explizit honoriert werden. Sich mit Themen abseits des business as usual zu befassen, sich zu einem Thema zu informieren, Bedarfe zu analysieren und Innovationsimpulse zu setzen, das braucht dediziert geschaffene Freiräume. Keine riesigen Abordnungen aus dem Tagesgeschäft (die sind tatsächlich meist unmöglich!), keine abgekapselten, künstlich von außen aufgesetzten Abteilungen für weltferne Besserwisserei, sondern aus dem Leben gegriffene und ins Tagesgeschäft integrierte bzw. integrierbare Konzepte, Personen und Prozesse. Das fängt schon bei der Bezeichnung an: Labs, Smartlabs, Boardrooms – da drückt sich der dynamische, werkstattartige Charakter aus, der eine flexible Integration in den Alltag ermöglicht. Die Personen, die hier aktiv sind, müssen von ihrem Management explizit die Erlaubnis, die Verantwortlichkeit und den Freiraum erhalten, sich in diesen Räumen persönlich einzubringen und diese weiterzuentwickeln – entlang der Herausforderungen dessen, was sie als Mitarbeiter kennen und entlang der Trends und Entwicklungen in der Branche, mit denen sie selbst täglich konfrontiert sind. Für Kunden haben wir mit unseren „Innovationsworkshops“ ein erfolgreiches Instrument entwickelt, wie Freiräume für kreatives und innovatives Denken trotz hoher Anforderungen im Tagesgeschäft effizient genutzt werden können.

Innovation braucht Zeit und den Mut zur (vorübergehenden) Ineffizienz

Frage: „Wie viel Zeit brauchen wir dafür? Haben wir die wirklich?“ – Antwort: „Können wir nicht sagen, aber nehmen Sie sie sich!“ Vordergründig ist Zeit der Faktor, um den sich alles dreht, tatsächlich aber geht es heute fast ausschließlich um Effizienz. Der Trugschluss dabei: Letztere entsteht nur vorübergehend aus der perfekt beherrschten Routine für das, was man bereits kann und bereits kennt. Mittel- oder langfristig führt sie zu Ineffizienz. Dann nämlich, wenn „blinde Flecken“ dort entstehen, wo längst Verbesserungen möglich wären. Zum  Beispiel, wenn es für einen internen Prozess leicht verständliche und implementierbare smarte digitale Lösungen gäbe, aber noch immer mit den Lieblings-Excel-Listen von Mitarbeiter Y hantiert wird.  Es lohnt sich also, Routinen zu hinterfragen und in Übergangs- und Testphasen bewusst Zeit zu investieren und Ineffizienz in Kauf zu nehmen. Das klappt am besten und mit geringem Risiko auf Verluste, wenn man von vornherein einen Innovationsprozess etabliert und definiert, wie viel Zeit die einzelnen Phasen, wie viel die verantwortlichen Mitarbeiter benötigen und wie viel Zeit mit externen Beratern, z.B. in Innovationsworkshops investiert wird.  Auch homöopathische Dosen sind sinnvoll: Zum Beispiel, indem aus der großen Digitalstrategie zunächst diejenigen Elemente selektiert, getestet und implementiert werden, die einfach umzusetzen sind und auf schnelle Akzeptanz in der Breite der Organisation stoßen. Große Veränderungen beginnen mit kleinen Schritten und je zeit-unintensiver, kleiner und geplanter diese erfolgen, desto unmerklicher, aber sicherer wird sich das Ganze auf etwas Neues hinbewegen. Dass diese Rechnung aufgeht, davon kann auch das upDATE-Team ein Lied singen: Bei der internen Implementierung einer Verkaufs-CRM- und Pipeline-Management-Software sowie eines digitalen Collaboration-Tools nutzten wir zunächst die Teilausschnitte, die vergleichsweise „selbsterklärend“ waren. Gleichzeitig investierten einzelne Mitarbeiter Zeit, um eine vertiefte Expertise aufzubauen und weitere Funktionen sinnvoll und schrittweise in unsere Prozesse einfließen zu lassen.

Innovation braucht Kontinuität und einen definierten Prozess 

Ein systematischer Innovationsprozess umfasst die Phasen Design, Test, Pilot und Implementierung. Er verläuft in Zyklen und angepasst an den laufenden Betrieb und das Geschäftsmodell. Nach dem ausgewählte Mitarbeiter Ideen und Impulse im unternehmensinternen Innovation Lab oder „Hub“ gesammelt und getestet haben, erfolgt eine erste Umsetzung im laufenden Betrieb des Unternehmens bzw. der Abteilung. Das Feedback dazu fließt  aus der Organisation zurück und kann in Form von Anpassungen eingearbeitet werden. Gerade der Testingphase wird in herkömmlichen Veränderungs-Ansätzen häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Wird diese Schleife übersprungen und werden neue Ideen und Vorgehensweisen sofort fix und in aller Breite implementiert, besteht ein hohes Risiko: Es wird ein hohes Maß an Ressourcen verbraucht, bei ungewissem Erfolg und unzureichender Klärung der Frage, ob der gewählte Weg überhaupt zur Unternehmensrealität oder zu den Kunden passt. Ist „der ganze Laden erstmal aufgemischt“ und vom Scheitern des großen Projektes betroffen, wird es schwierig, passende Nachbesserungen durchzusetzen, sowohl politisch als auch betriebswirtschaftlich. Gerade bei den sich schnell ablösenden Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung sind Planbarkeit und Sicherheit keine Entscheidungskriterien mehr für Innovationen, wie dies bei früheren predict & control-Ansätzen noch möglich war. Zyklische Modelle ermöglichen dagegen schnelle Kursänderungen bei gleichzeitig moderatem Aufwand. Übrigens: Gerade wenn es um Produkte und Lösungen für Kunden geht, sollte die Testing Phase diese nicht außen vor lassen: Gezielte Befragungen ausgewählter Kunden, z.B. zu möglichen Verbesserungsvorschlägen, Preisvorstellung etc. verhindern, dass mit vollem Schwung „am Markt bzw. Bedarf vorbei“ entwickelt wird. So stellte das upDATE Marketingteam dem Rollout seiner Vertriebsapp mysalesassistant eine Testingphase voran, um die eigene Sicht mit dem Feedback der Zielgruppe abzugleichen. Auch neue Programm- oder Veranstaltungsideen durchlaufen regelmäßig mit Hilfe von Kampagnen und Landingpages eine Erprobungsphase samt Feedbackschleife, bevor weitere Ressourcen für die kundenorientierte Umsetzung investiert werden.

Innovation braucht passende Organisations-Strukturen

In klassischen Hierarchien verläuft Innovation stockend.  Langwierige Abstimmungs- und Freigabeprozesse, einzelne Blockierer und die berühmte „Silo-Perspektive“
können selbst guten Ideen, selbst einem etablierten Innovationsprozess den Garaus machen. Ob unbedingt flache Hierarchien notwendig sind, kann diskutiert werden – wesentlich ist, dass Support und Commitment der Geschäftsführung beim Thema Ideenentwicklung und Innovation gegeben und immer wieder rückbestätigt werden. Es ist fast schon eine Banalität, darauf hinzuweisen, dass Innovationen besser in einer Unternehmenskultur gedeihen, die es Mitarbeitern ermöglicht, mit Neuem zu experimentieren und Fehler zu machen. Sind an Veränderungsprozessen externe Berater beteiligt, ist ein wichtiges Erfolgskriterium auch, dass diese die notwendige Management-Unterstützung erfahren, um ihr Wissen in der Organisation wirksam, z.B. in Form von Machbarkeitsanalysen, Best Practice und Expertise einbringen zu können. Insbesondere sollte deren Aufgabe aber sein, Denkanstöße zu geben und dabei zu unterstützen, das im Unternehmen vorhandene Wissen ans Licht zu heben und für neue Entwicklungen nutzbar zu machen. Bei upDATE nutzen wir intern einen virtuellen Raum in unserem Collaboration-Tool, um im laufenden Geschäft innovative Ideen zu notieren und zu sammeln. In regelmäßig stattfindenden Ideen-Meetings legen Team und Geschäftsführung dann gemeinsam fest, welche Impulse kurz- mittel- und langfristig zur Umsetzung gebracht werden sollen und welche Mitarbeiter sich dafür „die Mütze aufsetzen“.

Innovation braucht Austausch und Vernetzung

Nicht nur intern, sondern auch extern gilt: Je vernetzter, je interaktiver und je durchlässiger der Umgang mit Innovationen ist, desto höher ihre Erfolgschance. Schon vor der ersten Testing-Phase empfiehlt sich daher der Austausch mit Kunden, Kollegen und Stake Holdern: Würde ihnen dies oder diese Entwicklung etwas bringen? Was wäre wirklich hilfreich?
Darüber hinaus bieten Veranstaltungen und Networking Plattformen wie der Unternehmerdialog Digitalisierung gute Möglichkeiten, zu sehen, wie andere vorgehen und welche Partnerschaften gegebenenfalls hilfreich wären.

Innovation braucht Unterstützung und Ermutigung

Last but not least: Um sich den nötigen Freiraum zu verschaffen und das Risiko gering zu halten, sollte auch nach externen Mitteln gesucht werden. So zum Beispiel finanzielle Fördermittel, wie sie beispielsweise der Digitalbonus der Bayrischen Staatsregierung bietet. Ebenso ist die Teilnahme an Wettbewerben und Awards, wie dem vom Nürnberger Competence Center for Digital Transformation (CCDT) ausgelobten Mutmacher Award ein wirksames Mittel, um die Zielorientiertheit, Motivation und Nachhaltigkeit von Innovations-Bestrebungen zu steigern.

Man kann an vielen Stellen den Hebel ansetzen, um Innovationen auf den Weg zu bringen. Idealerweise hat man ein Gesamtkonzept dafür, das insbesondere den kontinuierlichen Verbesserungsprozess und das Schaffen eines eigenen Raums außerhalb des Tagesgeschäfts beinhaltet. Sind diese beiden Voraussetzungen geschaffen kann es eigentlich nur noch vorwärts gehen.

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www.update-training.com
www.innovatio-oe.de
https://www.competencecenter-digitaltransformation.de

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Walter Kapp

Walter Kapp ist Geschäftsführer der upDATE Gesellschaft für Beratung und Training mbH. Die upDATE ist als Consulting-, Trainings- & Marketingdienstleister auf Transformation(en) für Unternehmen im Vertriebsumfeld fokussiert. In Innovationsworkshops, Führungskräftecoachings und Vertriebstrainings entwickeln Walter Kapp und sein Team Geschäfts- und Vertriebsstrategien für die Digitalisierung und setzen diese in Nürnberg und bundesweit um.
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