Von outgesourct bis virtuell: Führungskräfte mit neuem Selbstverständnis

sterne_webProzesse optimieren, Entscheidungen beschleunigen, Mitarbeiter binden  – das sind die Top-Herausforderungen für Unternehmen in Zeiten von Globalisierung und wachsendem Wettbewerbsdruck. Und das Management fragt sich: Sind unsere bestehenden Strukturen und Führungskonzepte noch zeitgemäß? Sind sie in der Lage, es mit den aktuellen Trends aufzunehmen? Zum Beispiel:

Mobilität, Flexibilisierung und Individualismus
Nicht in allen, aber in vielen Bereichen macht es die Digitalisierung möglich: Arbeit muss nicht mehr zwingend an einem Ort gemacht werden, feste Büroarbeitsplätze werden zum Teil überflüssig. Gerade der jungen „Generation Y“ kommt dies entgegen. Sie ist zwar leistungsbereit, aber auch auf den „Wohlfühlfaktor“ bedacht. Das bedeutet vor allem: Arbeit muss Spaß machen und darf nicht daran hindern, selbstbestimmt und unabhängig zu leben und frei zu entscheiden – am besten auch über Arbeitsort und -zeiten. Mit einem klassischen Top-Down-Führungsstil kann diese Generation – gewohnt an Mitbestimmung und freie Veränderungs-, Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten –  wenig anfangen. Und man wird sie als Arbeitnehmer kaum mit rein äußerlichen Anbiederungsversuchen wie hipper Bürogestaltung oder schicken Incentives halten können. Auch aus anderen Gründen machen sich Unternehmen aber noch Gedanken über flexiblere Arbeitskonzepte, die zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Besonders dort, wo in den nächsten Jahren viele Ältere ausscheiden und zu wenig junge nachkommen, können dadurch neue Bewerberzielgruppen erschlossen werden.

Vom Angestellten zum Freelancer
Über das Internet haben Unternehmen schon heute Zugriff auf einen erweiterten Kreis von Freelancern für Jobs, die ein Vor-Ort-Sein überflüssig machen. Plattformen im Web, über die Firmen freiberufliche Mitarbeiter für zeitlich befristete Online-Tätigkeiten akquirieren, seien es Spezialisten oder Studenten, drängen derzeit auf den Markt. Ein Vorteil für die Auftraggeber: Sie können in so manchem Bereich aufwändige Bewerbungsverfahren einsparen.  Gleichzeitig stehen sie aber auch mehr als früher im globalen (!) Wettbewerb um die besten Fachkräfte – und müssen sich diese und deren Integration (Thema Diversity!) auch leisten können. Wenn in einigen Branchen zunehmend Firmen auf mögliche Auftragnehmer zugehen und nicht umgekehrt, verschwimmt die Hierarchie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nicht nur Freelancer, sondern auch „normale“ Bewerber werden vom Bittsteller zum aktiven Anbieter ihrer Leistung und Motivation. Dies hat zur Folge, dass Unternehmen mehr investieren und sich verstärkt darum bemühen müssen, „gute Leute“ an sich zu binden, z.B. durch attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten und einen Führungsstil, der genug Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum bietet.

Weil in Zeiten des satellitenhaft agierenden Angestellten, z.B. in virtuellen Teams, weit weniger transparent ist, was jeder Einzelne wann genau macht, ist Führen im Sinne von Kontrolle immer weniger effektiv. Es muss Mitarbeitern stattdessen ermöglicht werden „sich selbst zu helfen“, d.h. von überall her auf die nötigen Informationen zugreifen und Entscheidungen im Sinne des Managements treffen zu können. Wo sie dies behindern könnten, müssen Mittel und Wege gefunden werden,  Hierarchien abzubauen. Die Devise heißt also für Führungskräfte immer mehr: So weit wie nötig involviert sein, gut und regelmäßig informieren, Identifikationsmöglichkeiten bieten und: So viel wie möglich loslassen können. Eine gute Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen sind die Basis dafür, dass Macht und Entscheidungsbefugnisse auf mehrere, nicht unbedingt anwesende Schultern verlagert, auf die Leistung anderer vertraut und diese anerkannt werden kann. Und darin schlummert nicht zuletzt ein gewaltiges „Entlastungspotenzial“ für gestresste CEOs in Zeiten rasend schneller Entwicklungen.
Differenziert denken,  zuhören und fremde UND eigene Überzeugungen kritisch hinterfragen und diskutieren zu können, Empathie zu zeigen, richtig kommunizieren  – die Fähigkeiten, die dazu notwendig sind, fallen gemeinhin in den Bereich der Soft Skills und werden leider häufig nur als vorteilhaft statt als zwingend notwendig für Managerpositionen betrachtet. Das nur in Kennzahlen und Zielen denkende und im Befehlston „ohne Wenn und Aber“  dirigierende Alpha-Tier ist noch längst nicht ausgestorben.

Auch das Arbeitgeberbewertungsportal kununu widerspiegelt die Bedeutung der Führungskultur als Qualitätsmerkmal: Das „Vorgesetztenverhalten“ steht ganz oben auf der Liste der Kriterien, sogleich gefolgt vom Thema „Kollegenzusammenhalt“.  In einem total digitalisierten, individualistischen Zeitalter, in dem Verbindlichkeiten selten sind, werden die menschliche Atmosphäre und ein adäquates Führungskonzept offenbar also eher wichtiger als unwichtiger. Selbstverständlich sind sie allerdings noch nie gewesen.


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